DAS SICHERHEITSNETZ EINES UNTERNEHMERS

DAS SICHERHEITSNETZ EINES UNTERNEHMERS

Das Sicherheitsnetz eines Unternehmers

Die meisten Menschen trauen sich nicht zu gründen, weil sie darauf konditi­oniert worden sind, dass Sicherheit vorgeht.

So haben sie es von ihren Eltern und in der Ausbildung gelernt. Die Arbeit als Angestellter ist die größte Si­cherheit, die du in deinem Leben haben kannst, so heißt es. Angst bietet die größtmögliche Sicherheit, keine existenzgefährdenden Risiken einzugehen.

Und tatsächlich setzen sich Gründer und Unternehmer einem gewissen Risi­ko aus. Sie müssen sich regelmäßig ihren Ängsten stellen, müssen ihre Ent­scheidungen und das eigene Tun hinterfragen und die Verantwortung für die Konsequenzen aus den Aktivitäten übernehmen. Es gibt viele Momente, die von einem Unternehmer alles abverlangen und zu schlaflosen Nächten führen können. Manchmal sind es unerwartete Rechtsstreitigkeiten, die Unmengen an Kraft und Geld kosten oder beispielsweise ein starker Mitbewerber, der einem regelrecht das Wasser abgräbt, sodass man gezwungen ist, schnell eine Lösung zu finden. Es gibt in der Gründer- und Unternehmerwelt viele unbekannte Va­riablen, die zu positiven oder negativen Entwicklungen führen können.

Weder Angestellte noch Unternehmer sind vor unerwarteten Ereignissen si­cher. Angestellte können gekündigt werden. Gute Unternehmer haben aller­dings eine optimistische Sicht auf die Dinge. Sie agieren nach vorne, statt stets nach hinten zu schauen. Sie lernen, sich ihren Problemen zu stellen, anstatt krampfhaft Fehler zu vermeiden. Aus gutem Grund: Sie kennen den Gewinn, der auf sie wartet, wenn sie das Tal der Angst hinter sich gelassen haben. Daher ist der Lohn für Unternehmer immer größer als der für Arbeitnehmer.

Aber auch Unternehmer brauchen Sicherheit. Das geben viele nicht gerne zu. Damit ist übrigens nicht unbedingt ein gut gefülltes Konto gemeint. Am Rande erwähnt: Genau das haben nicht automatisch alle Unternehmer. Es handelt sich um einen Trugschluss, dass alle Unternehmer vermögend sind. Mag sein, dass viele finanziell besser dastehen als der durchschnittliche An­gestellte. Doch auf ein großes finanzielles Polster oder auf ein gigantisches Vermögen blickt nur ein Bruchteil der Unternehmer. Viele von ihnen machen einfach ihr Business und verdienen gut dabei. Sie haben Angestellte und das Geschäft läuft passabel. Trotzdem haben es nicht alle schon geschafft, wie der Volksmund so schön sagt.

Zehn Jahre lang musste ich als geschäftsführender Gesellschafter zusehen, dass ich mir zum Monatsende genug Gehalt überweisen konnte, um gerade so über die Runden zu kommen. Das ist wirklich bei vielen so. Hat man ein gutes finanzielles Polster, kann man natürlich mit schwierigen Zeiten etwas entspannter umgehen. Doch das Geld ist nicht die Art der Sicherheit, über die ich hier sprechen möchte.

Wie kommt es, dass manche Unternehmer alles verlieren können, wirklich alles, um dann plötzlich wieder zurückzukommen? Manchmal sogar noch stärker als zuvor? Wie ist das möglich? Vor allem, wenn ihre finanzielle Basis vollends aufgezehrt schien? Wie kam der Gescheiterte und für bankrott erklärte Unter­nehmer wieder zu Geld, um dann doch noch ein erfolgreiches Business aufzu­bauen? Diese Fragen habe ich mir damals, vor allem, als es bei mir schlecht lief, oft gestellt. Nun, so kompliziert ist die Antwort darauf gar nicht.

Das Geheimnis liegt in einem intakten und gesunden Netzwerk! Es ist das hoch persönliche und individuelle Netzwerk, das sich ein Unternehmer über all die Jahre aufbaut, das sich wie eine Art Sicherheitsnetz unter ihm aufspannt. Ich stelle mir Gründer und Unternehmer oft als Luftakrobaten vor, die sich in schwindelerregenden Höhen von der einen Seite zur anderen schwingen und dabei halsbrecherische Manöver vollziehen. Immer das Ziel vor Augen, auch wenn die Erreichung hohe Risiken mit sich bringt. Doch die nächsthöhere Belohnung ist attraktiv genug, um das Risiko in Kauf zu nehmen.

Dabei kommen auch schreckliche Stürze zustande. Niemand ist davor ge­feit, außer man bleibt bei den Übungen, die man beherrscht und wagt nichts Neues. Wie ein Sturz ausgeht, hängt davon ab, welche Manöver wir starten. Unter den Akrobaten ist ein Sicherheitsnetz gespannt, das nicht nur den Sturz abfängt, sondern den Akrobaten auch wieder ein ganzes Stück nach oben katapultieren kann.

Je stabiler dieses Sicherheitsnetz, desto geringer die Wahrscheinlichkeit als Unternehmer ungeschützt auf dem Boden aufzuschlagen. Wer jedoch über kein oder nur ein stark durchlässiges Sicherheitsnetz verfügt, bricht sich die Knochen. Ein Weg zurück ist in diesem Fall so gut wie unmöglich. Das Si­cherheitsnetz symbolisiert die Verbindungen zu anderen Unternehmern, zu Geschäftskontakten und zu Unterstützern aus dem privaten Umfeld.

Meine Mutter betonte mir gegenüber immer wieder, dass jeder Mensch ein „Çevre“ (ausgesprochen Tschäwre) haben muss. Vor allem, wenn man so dickköpfig sei wie ich und sich einbilde, alles allein entscheiden zu können. Çevre kommt aus dem Türkischen und heißt soviel wie Netzwerk, Beziehun­gen oder persönliches Kontakte-Umfeld. Damit ist in der türkischen Kultur primär die Familie gemeint. Das erklärt vielleicht, warum manche türkischen Mitbürger trotz einer saftigen Pleite immer wieder zu Geld kommen, um den nächsten Laden, sei es auch nur eine Dönerbude, aufzumachen. Diese Frage habe ich schon oft von deutschen Freunden und Bekannten gestellt bekom­men. Wie machen die das? Wie schaffen die das? Am häufigsten habe ich diese Frage übrigens in Berlin gestellt bekommen, wo gefühlt dauernd eine Dönerbude nach der anderen auf und zu macht.

Ich will auf keinen Fall behaupten, dass Netzwerken eine Erfindung und Leistung der türkischen Kultur ist, der sich Unternehmer bedienen. Ich muss­te nur später als Gründer schmerzhaft lernen, dass meine Mutter recht hatte, mit dem, was sie mich lehrte.

Bei der Recherche nach dem Begriff „Netzwerk“ wirst du im Internet auf zahlreiche Definitionen, Formulierungen und auf viel Literatur stoßen. Es geht dabei um die unterschiedlichsten Arten von Netzwerken, Methoden zum Aufbau und zur Pflege von Netzwerken, Vorteile, „Dos und Don‘ts“.

Letztendlich geht es aber immer um die persönliche Beziehung zu anderen Menschen, seien es Geschäftspartner, Kunden, Mitarbeiter, Familienange­hörige, Bekannte oder Freunde. Unter persönlicher Beziehung verstehe ich selbst den Geist zwischenmenschlichen Zusammengehörigkeitsgefühls, des­sen Zusammensetzung aus Authentizität, Verlässlichkeit, Respekt, Wertschät­zung, Aufrichtigkeit und Hilfsbereitschaft besteht.

Das intakte und stabile Sicherheitsnetzwerk eines Unternehmers braucht Jah­re, um zu reifen.

Nur dann wird es allen Beteiligten dieses Netzwerks nüt­zen. Ein Hauptelement für den Aufbau eines derartigen Netzwerks ist deine Aufrichtigkeit. Gib offen zu, wenn du in einem Thema nicht bewandert bist und darin Hilfe benötigst. Wenn dein Gegenüber aus dem richtigen Holz geschnitzt ist, wird er dich inhaltlich abholen und deine Offenheit wertschät­zen. Im Umkehrschluss wirst du die gleiche Offenheit erfahren. Stück für Stück wächst daraus das Vertrauen zueinander, woraus sich im Laufe der Zeit fruchtbare Gespräche, Möglichkeiten und schlussendlich Geschäfte entwi­ckeln. Nicht zuletzt ein stabiles Sicherheitsnetz.

Bitte lass mich wissen, was du über das Netzwerken im privaten und geschätlichen Umfeld denkst. Schreibe mir deine Meinung im Kommentarfeld oder schicke mir eine Nachricht über mein Kontaktformular.

 

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