HSP (hochsensible Personen) als Berater, Coach und Lehrer

HSP (hochsensible Personen) als Berater, Coach und Lehrer

HSP zu sein ist ein Geschenk

Ein HSP zu sein ist ein Geschenk. Bis Betroffene das erkennen, müssen sie Unmengen an Packpapier zerreißen.

Beraten, unterrichten und coachen

HSP sind dazu prädestiniert, Menschen zu helfen. Aus diesem Grund findet man gerade unter Coaches und Beratern viele hochsensible Personen. Das Gespür für Probleme, deren Ursprünge und die Entwicklung möglicher Lösungsansätze, ist ein besonders geeignetes und beliebtes Tätigkeitsfeld für HSP. Das liegt daran, dass in der Beratung viele Eigenschaften Hochsensibler zusammenfließen, u. a.:

– Erhöhte Empathiefähigkeit
– Analyse von Problemen
– Vorbereitung von Lösungswegen

Durch Einzelcoachings oder kleine Gruppentrainings können sich die geschäftlichen Aktivitäten auf kleine Personenkreise beschränken, wobei Anbieterinnen und Anbieter sich aussuchen können, mit wem sie zusammenarbeiten. Berater die mit der Veranlagung zur Hochsensibilität gesegnet sind, gelingt es in der Regel erstaunlich gut, Störungen auszumachen, die ein Klient als solche kaum identifizieren kann. Durch die gesteigerte Wahrnehmung, können HSP Lösungen vorschlagen, die Störungen nicht nur reduzieren, sondern tatsächlich beheben. Unternehmen und Ministerien greifen daher zunehmend auf externe Berater zurück, die nicht selten aus dem Personenkreis Hochsensibler gewonnen werden.

Der Wunsch nach echter Kommunikation und Problemlösung führt hochsensible Menschen auch in den Bildungssektor. Vom Ideal geleitet, Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen und begleiten zu wollen, lauern hier jedoch Enttäuschungen. Im Schulalltag bleibt nur wenig Zeit, sich mit jedem Kind so ausgiebig zu beschäftigen, wie es eigentlich erforderlich wäre. Kitas bieten in dieser Hinsicht kleinere Gruppen, doch auch dort wird sich naturgemäß die Aufmerksamkeit der Kindergärtnerinnen teilen, wobei Kleinkinder ohnehin deutlich mehr Zuwendung benötigen.

Somit stellt das Bildungswesen für HSP ein Terrain dar, auf dem Betroffene schnell an ihre Grenzen geraten können. Einerseits weil das Arbeitsumfeld sehr dynamisch und der Personenkreis, mit dem man arbeitet, wenig beständig sein kann. Die Kehrseite der Medaille: Das Unterrichten selbst kann für HSP eine sehr erfüllende Tätigkeit sein, die Lehrer und Erzieher für die Widrigkeiten des Bildungsbetriebs entschädigt. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Begabungen von HSP im Schul- und Kitaumfeld nur sehr limitiert zum Tragen kommen können.

Freie Lehrer, Kunst- und Musikerzieher sind in der Gestaltung ihrer Arbeitsabläufe und der Auswahl ihrer Schüler da schon wesentlich unabhängiger und üben oft mehrere künstlerische Tätigkeiten gleichzeitig aus. Kurz: Wer geringe materielle Bedürfnisse hat und finanzielle Sicherheit weniger eine Rolle spielt, wäre im Umfeld der Freiberuflichen sicherlich gut aufgehoben.

HSP als Kapillaren und Knoten

Beliebt und extrem geeignet sind HSP an diversen Schaltstellen, ob gesellschaftlicher oder organisatorischer Natur. Interessanterweise werden diese Knotenpunkte oft gar nicht als Knotenpunkte erkannt, sondern entwickeln sich erst durch die Persönlichkeit des Hochsensiblen zu solchen Schnittstellen. So entstehen immer wieder Situationen, in denen die (durch eine HSP in Eigenregie angelegten) Kapillaren plötzlich regelrecht blockiert sind, weil die betreffende Person versetzt wurde, gekündigt oder sich aufgrund zu hoher Belastung zurückgezogen hat. HSP fallen dann am meisten auf, wenn sie fehlen – wenn Abläufe ins Stocken geraten, merkwürdige Missverständnisse auftreten und die Dinge einfach nicht mehr laufen, wie sie bis dahin liefen. Bekannte Beispiele dafür sind Trainerwechsel bei Sportvereinen oder der Rückzug eines Musikers aus einer erfolgreichen Band.

Missverständnisse erkennen, bevor sie auftreten, Probleme vorhersehen und schlechte Laune durch Mitgefühl verringern, das alles sind präventive Maßnahmen, die kaum gesehen werden (können). Und wenn, dann werden sie als Selbstverständlichkeit hingenommen. Das Fehlen von HSP in Organisationen, Institutionen und Familien wirkt sich nachteilig auf die Zusammenarbeit und emotionale Ausgeglichenheit dort aus, wo die personelle Lücke entsteht.

Schon aus diesem Grund wäre es für Unternehmen, die öffentliche Verwaltung, in Schulen und im privaten Bereich von großem Nutzen, HSP in Entscheidungsprozesse einzubinden, sie vor wichtigen Beschlüssen zu konsultieren und sich bei der Ausführung von Anweisungen deren Unterstützung zu sichern. Geschieht dies nicht, fühlen sich HSP überfordert und verunsichert, da für sie der Eindruck entsteht, es käme nicht darauf an, wie sich Entscheidungen auf die Lebensgestaltung ihrer Mitmenschen auswirken.

Wer die hochsensible Veranlagung als Begabung versteht, kann vielen Menschen behilflich sein, Probleme zu bewältigen und schnelle Lösungen zu finden. Ob die Begabung professionell genutzt wird oder im privaten Umfeld bleibt jedem HSP überlassen. Sich zu vergegenwärtigen, dass die Mitmenschen oft gar nicht bemerken, dass ihnen soeben geholfen wurde, gehört zum Schicksal hochsensibler Personen. Manchmal agieren sie als Stichwortgeber, weil jemandem gerade die passende Formulierung einer Idee nicht einfällt, ein anderes Mal erledigen sie beherzt und im Hintergrund unpopuläre Aufgaben, die zum Gelingen eines Projekts beitragen. Und manchmal kommt ein gut gemeinter Ratschlag in Form einer Frage daher, der erhebliche Effekte mit sich bringen kann.
HSP haben das Gespür dafür, konstruktive Kritik und Hilfestellung so vorzubringen, dass sie der Ratsuchende als eigene Eingebung versteht. Nichts wird leichtfertiger ignoriert als offene Kritik und herablassende Ratschläge, mögen sie noch so wahr und gut gemeint sein.

Womit rechtfertigt man als HSP die Eignung als Ratgeber?

Prof. Dr. Markus H. Dahm, Strategieberater von IBM Consulting, ist bereits seit Jahrzehnten im Consulting-Business aktiv und prägte den Begriff der „Transformationalen Führung“. Diese beruht nicht auf Gehorsam, sondern definiert die Führungsperson als sogenannten „Change Agent“ auf. Durch dieses Prinzip soll erreicht werden, dass aus Arbeitnehmern, die auf Anweisungen warten, mitdenkende, vorausschauende Teammitglieder werden, die sich mit ihrer Arbeit und dem Ziel ihrer Tätigkeit identifizieren. Entscheidend bei dieser Führungsmethode sei laut Dahm, dass Mitarbeiter das Gefühl haben müssten, selbst Veränderungen herbeiführen zu können. Als begleitender Berater erteilt man daher nicht einfach Ratschläge aus einer exponierten Position heraus, sondern entfernt Scheuklappen und Denkblockaden, die verursachen, dass Mitarbeiter unproduktiv werden, weil sie ihren Arbeitsplatz als Hamsterrad empfinden.
Berater, Mentor oder Coach zu sein, setzt voraus, dass man sich in den Ratsuchenden einfühlen kann, seine individuellen Grenzen kennt und Vorschläge unterbreitet, die zum eigenständigen Weiterdenken animieren. Dass HSP für diese Tätigkeit besonders geeignet sind, liegt auf der Hand. Berater sind nicht besser als ihre Klienten, sie ergänzen lediglich deren Perspektive.

Warum Lehrer werden?

Aus manchen Hochsensiblen sind schon hervorragende Pädagogen geworden. Doch nicht jeder Lehrer wird konsequent herausragende Arbeit leisten können. Dafür gibt es mehrere Gründe:

1. Überforderung
Unterstellen wir einmal, dass jeder hochsensible Student, der sich dafür entscheidet, Lehrer zu werden, von einem bestimmten Ideal geleitet und nicht nur aus materiellen Gründen Lehrer wird, dann stößt diese junge Person bereits während des Studiums auf Abläufe, die ihrem späteren Ziel (Unterrichten) so fern sind, dass sie sinnlos erscheinen.
Kaum an der Schule aufgenommen könnte es passieren, dass ein sympathischer, junger Lehrer mit Bürokratie, Lehrplänen, Lärm und Mobbing so bombardiert wird, dass er das einstige Ideal in der Realität kaum noch identifizieren kann.

2. Unterforderung
Unterforderung entsteht zumeist in den unteren Schulstufen. Da Lehrer hier weniger mit ihrer Fachkompetenz aufwarten können, stattdessen eher als geistiger Vater- und Mutterersatz Erziehungsaufgaben zu meistern haben, kann das angestrebte Ideal vom inspirierenden Pädagogen, der die Gedanken junger Menschen beflügeln möchte, schnell unter die Räder der harschen Wirklichkeit geraten.
Ob eine HSP diese Arbeit dreißig bis vierzig Jahre zu leisten bereit und im Stande ist, hängt von ihrem Durchhaltevermögen, der persönlichen Konstitution und der Zusammenarbeit im Kollegium ab.

3. Resignation
Die für eine HSP wohl deprimierendste Vorstellung ist die der ultimativen Resignation, die sich angesichts zu vieler ungelöster Probleme zwischen Eltern, Kollegen und Schülern bei vielen Lehrern einstellt. Resignierte Lehrer neigen oft zu Zynismus, was wiederum Gift für die Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern, also ihren Schützlingen ist. Ich bin davon überzeugt, dass der Beruf des Lehrers sehr bedeutsam ist. Aus diesem Grund ist es aber insbesondere für HSP außerordentlich wichtig, sich mit den Konsequenzen dieses Berufswunsches auseinanderzusetzen.
HSP unterrichten sehr nah am Menschen, wollen Schülern individuell helfen und sich mit jedem Kind gleichermaßen beschäftigen. Diese Art des Unterrichts erfordert kleine Klassen und eine sehr umfassende Unterrichtsvorbereitung. Wenn der Unterricht mit einem hochsensiblen Lehrer gelingt, ist er eine absolute Bereicherung für alle Seiten und bleibt den Schülern oft jahrzehntelang im Gedächtnis.

Was ist, wenn alles zu viel wird?

Ein Rückzug ist immer erlaubt – sollte aber gründlich durchdacht werden. Es gibt Berufe, die sich von jedem Ort auf der Welt ausüben lassen. Andere Arbeitsfelder erfordern sehr viele Reisen. Wer an dem Punkt ankommt, von dem aus es nicht mehr weitergeht, sollte sich eine Pause gönnen.
Ein solcher Rückzug wird nicht ewig andauern. HSP tragen Verantwortung für ihre Begabung, vor allem auch dann, wenn es auch hochsensible Kinder in der Klasse gibt. Sie bei ihrer Entwicklung angemessen zu begleiten, obliegt prinzipiell der jeweiligen Lehrkraft. Diese Verantwortung kann jedoch nur wahrnehmen, wer sich Ruhepausen gönnt und die Zeit findet, um über wichtige Themen nachzudenken.
Einige Eltern ziehen indes mit ihren schulpflichtigen Kindern im Wohnwagen umher und versuchen sich in Unschooling oder „Freilernen“, andere machen sich selbständig und bauen sich eine eigene Arbeitswelt ganz nach ihren persönlichen Bedürfnissen auf. Auch wenn die Zeiten heutzutage unübersichtlich wirken: Für HSP bieten sich große Chancen, auf unkonventionelle und vor allem an der Begabung ausgerichtete Art, das eigene Leben zu gestalten.

„Enkrateia“
Hochsensibilität ist eine Gabe, die anstrengend sein kann, den Betroffenen viel Geduld abverlangt und auf wenig Verständnis bei den Mitmenschen stößt. Daher erfordert sie viel Ausdauer bei der Arbeit an der eigenen Person. Dies mag sich zunächst nach Egoismus anhören, wirkt sich aber gegenteilig aus. Egoistisch wäre es, das eigene Umfeld mit den Folgen zu belästigen, welche die Reizüberflutung bei Betroffenen verursacht.
Die gute Nachricht: Es ist möglich zu lernen, trotz der Belastung durch äußere Reize emotional ausgeglichen zu bleiben. Dies erleichtert nicht nur HSP den alltäglichen Umgang mit schwierigen Situationen, sondern hilft auch dem Umfeld dabei, Ungleichgewichte im menschlichen Miteinander besser auszuhalten oder schneller und effektiver auszugleichen.

Dabei ist die Arbeit an der eigenen Person keine neuartige Aufgabe, die nur HSP vorbehalten bleibt. Bereits in der griechischen Antike gehörte die sogenannte „Enkrateia“ (Selbstkontrolle, Macht über sich selbst) zu den wichtigsten Tugenden, ohne die ein Zusammenleben in der „Polis“ nicht denkbar gewesen wäre. Ihr Fehlen drückte sich Aristoteles zufolge in „Akrasia“ (Unbeherrschtheit oder Handeln wider besseres Wissen) aus, einem Zustand der Willensschwäche und der Voreiligkeit. Das Vermeiden von schädlichen und fahrlässigen Handlungen und die Kontrolle über den eigenen Willen gaben daher Auskunft über die Tugendhaftigkeit eines Bürgers im antiken Athen.

Aristoteles begriff Tugend als Praxis (sie äußert sich im Handeln, nicht in der Theorie) und notierte in der Nikomachischen Ethik: „Wir betrachten die Tugend nicht, um zu wissen, was sie ist, sondern um tugendhaft zu werden; sonst wäre unsere Arbeit zu nichts nütze.“ HSP brauchen die Herausforderung, um an ihr zu wachsen.

Im Alltag bedeutet das für hochsensible Menschen, sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass das Umfeld gar nicht mitbekommt, welche Auswirkungen Geräusche, Farben oder Gerüche auf sie haben. Es ist also weder angebracht, noch erforderlich, die Mitmenschen allzu intensiv an eigenen Empfindungen teilhaben zu lassen.

Wichtiger wäre stattdessen, sich selbst stets von Neuem dazu zu verpflichten, den Kontext nicht aus den Augen zu verlieren und dafür die eigene Wirksamkeit für andere in den Vordergrund zu stellen.

HSP als Begabung anzuerkennen, ermöglicht, entspannter mit unangenehmen Situationen umzugehen. Ein Großteil der Mitmenschen wird vieles von den Dingen, die die Betroffenen nervlich reizen oder emotional schwächen, kaum bemerken. Die Sorge davor, aufzufallen oder einer Anforderung nicht gerecht zu werden, wird sich in der Regel als vollkommen unbegründet erweisen: Niemand ist so sehr auf Perfektion fixiert wie die HSP selbst. Sich selbst zu akzeptieren, führt zu einem gelasseneren Umgang mit Hochsensibilität und zu mehr Ausgeglichenheit.

Die Sicht auf die Dinge: Wie wirkt sich das Bewusstsein für die HSP-Begabung auf das bisherige berufliche Umfeld aus?

Gelingt es Betroffenen, ihr Wesen als HSP so einzubringen, dass es für sie als sinnvoll erscheint? Hilft es Kollegen, dem Unternehmen oder der eigenen Familie, sie mit der eigenen Sichtweise zu bereichern?

– Tipp Eins
Die eigene Perspektive nicht zu sehr verallgemeinern. Hilfreich sind Einsichten nur dann, wenn sie behutsam und beiläufig geäußert werden. Ausgefeilte Vorträge über ungewöhnliche Eingebungen und besondere Begabungen sind fehl am Platz. Wahrscheinlich ist es erforderlich, das bisherige Arbeitsumfeld neu zu bewerten, um dort erfolgreich und zufrieden zu agieren.
Wer die Arbeit zu sehr als Einschränkung wahrnimmt, kann über eine berufliche Neuorientierung nachdenken. Wo lassen sich die eigenen Fähigkeiten als HSP optimal einsetzen?

– Tipp Zwei
Ehrenamtliche Engagements sind wünschenswert, wollen aber gut durchdacht sein. Soziale Ungerechtigkeiten, die unlösbar scheinen, machen HSP schwer zu schaffen, vor allem deswegen, weil sie dort ihre eigene Ohnmacht sehr umfangreich erleben. Es ist zwar möglich, speziell aus diesem Gefühl der Ohnmacht heraus ehrenamtlich tätig zu werden, erfordert aber einen starken Willen und sehr viel Geduld.
Eine ehrliche Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit, sowie eine intensive Betrachtung der eigenen Wünsche hilft dabei, die Entscheidungen auszuloten.

– Tipp Drei
Die Arbeit mit Kindern ist eine enorme Bereicherung für die meisten HSP. Die Arbeit ist zwar laut, anstrengend und manchmal auch chaotisch – die eigene Leistung wird aber oft als sehr wirksam erfahren. Treffen hochsensibler Erwachsene auf hochsensible Kinder, entsteht häufig eine sehr konzentrierte und produktive Arbeitsatmosphäre, die beide Seiten weiterbringt. Hochsensible Kinder sind sehr dankbar für die ihnen entgegengebrachte Aufmerksamkeit und drücken dies oft in einer sehr wahrhaftigen Art und Weise aus.

HSP, die anderen Menschen helfen wollen, sollten weiterhin beachten:

a) Ratschläge sind auch Schläge: Die meisten Mitmenschen wollen keine Ratschläge. Sie bekommen diese von ihren Chefs und Kollegen, Freunden und Verwandten und wahrscheinlich auch von Ehepartnerinnen oder Lebensgefährten. Auch wenn sie den Wunsch äußern, etwas besser machen oder dazulernen zu wollen, kann sich das mitunter als Phrasendrescherei herausstellen. Dann zum Beispiel, wenn man mit wohlgemeinten Hinweisen auf heftigen Widerstand stößt.

Diese Gegenwehr muss nicht so ablehnend gemeint sein, wie sie im ersten Augenblick aussieht. Menschen sind nun mal Gewohnheitstiere und stehen Veränderungen nicht sehr offen gegenüber. Dem begegnen kann man, wenn man selbst mit bestem Beispiel vorangeht und jemandem von der eigenen Erkenntnis berichtet. Das funktioniert für alle diejenigen, die bescheiden, zuverlässig und respektvoll auftreten und nach den Regeln handeln, die sie auch selbst empfehlen.

b) Perspektivwechsel: Auch das Hineinspringen in die Lage der Person, der man helfen möchte, kann helfen. Ist das Hilfsangebot auch für diese Person erkennbar? Wenn Zweifel daran bestehen, lieber noch einmal überdenken. Hilfe muss tatsächlich als Hilfe funktionieren, ansonsten wird sie (zu Recht) als Einmischung verstanden und nicht nur abgelehnt, sondern bekämpft. HSP wissen, wie es sich anfühlt bedrängt zu werden. Stattdessen Zuhören und abwarten, bis augenscheinlich wird, dass es an der Zeit ist, zu Hilfe zu eilen.

c) Kreativ verpackt: Wenn Hilfesuchende das Gefühl haben, von selbst auf Ideen gekommen zu sein, dann werden sie diese Ideen auch umsetzen. Menschen lassen sich immer besser für eine Sache gewinnen oder von einer neuen Herangehensweise überzeugen, wenn sie spüren, dass sie eigenständig zu einer Erkenntnis gelangt sind. Es hilft nicht, zu behaupten, etwas sei gut, wenn dies für die vermeintlichen Begünstigten nicht offensichtlich ist. Diese Art von moderater Erhellung des Geistes kann initiiert und begleitet, jedoch nicht erzwungen werden.

Realität und Gerechtigkeit

Als HSP verfügt man über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ab einem bestimmten Alter haben wir alle hinreichend Erfahrung mit sehr viel Ungerechtigkeit gemacht. Wer an dieser Stelle nicht in Zynismus versinken will, tut sich einen Gefallen damit, zu wissen, wie man sich persönlich positioniert. Na klar: Niemand kann allein die Welt retten. Und das kann auch nicht das Ziel sein. Doch ins Auge zu fassen, andere Menschen glücklich zu machen, indem man ihnen vorlebt, wie schön diese Welt sein kann, das macht einen großen Unterschied aus.

Die Welt bejahen und das Leben zu begrüßen, anstatt es zu banalisieren und ins Lächerliche zu ziehen, weil man das Gefühl hat, die Anwesenheit auf diesem Planeten sei vollkommen überflüssig, ist ein wesentlicher Treiber.

Irgendwann wird jede HSP mit dem Gefühl der Unzulänglichkeit oder einer tiefen Erschöpfung konfrontiert. Das mag im ersten Moment vielleicht entmutigend und traurig sein – auf der anderen Seite ist dies nicht viel weniger als der körpereigene Bildschirmschoner, der Pausemodus, wenn man so will.
Das Angebot wahrnehmen, Kraft tanken, bevor man wieder für andere da sein kann, ist die einzige sinnvolle Maßnahme: Lernen, die eigenen Kräfte einzuschätzen, Grenzen erkennen, um die eigene Mitte zu finden. Sich dabei die Zeit lassen, die man benötigt, um sich selbst besser zu verstehen. Wenn das alles gelingt, können HSP über sich hinauswachsen und Veränderungen herbeiführen. Für sich selbst, für die unmittelbare Umgebung, für die Familie und den Freundeskreis.

Und das Beste daran: Damit ist niemand allein. Denn nebenan kümmert sich die nächste HSP darum, die Welt und das Leben zu bejahen und Gegebenheiten zum Positiven zu verändern.

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